DJs sind die neuen Weltstars: Die Systeme hinter 6-stelligen Gagen

(Lesezeit: ca. 2.5 Minuten) Hey,

tatsächlich: 250.000,00-1.000.000,00 Euro Gage für ein 90 minütiges DJ-Set sind keine Seltenheit!

Backstory: Mein erstes wirklich erfolgreiches Geschäftsmodell war mit NEONSPLASH - Paint-Party® im live Entertainment Segment und in dessen Rahmen, in der Nische: Elektronische Musik (Engl. EDM oder Electronic Dance Music).

Wir haben mit diesem Konzept über 200 Events veranstaltet, etliche DJs aus der ganzen Welt beschäftigt, mit allen führenden Agenturen und den meisten Management Firmen zusammengearbeitet.

Ziel:

Es ist immer mein Ziel die Muster hinter überproportionalem Erfolg zu erkennen um diese replizierbar zu machen. Im Hinblick auf die Korrelation zwischen Strategie und DJ Gagenhöhe, werde ich in diesem Post versuchen, die auffälligen Variablen zu belastbaren Systemen abzuleiten, die alle top verdienenden DJs in den oberen 0.1% der Branche gemeinsam haben.

Reverse Engineering:

Um die kritischen Steps zu 6-stelligen Gagen genauer nachvollziehen zu können, habe ich einen Stichprobenumfang von 3 Künstlern gewählt, um die Entwicklung ihrer Karrieren rückwärts zu analysieren und dabei nach kategorialen Merkmalen und Mustern zu suchen.

Frage:

"Ist es möglich die Entwicklung einer Karriere auf die Entscheidungen mit dem (belegbar) höchsten Impact auf Gagenhöhe zu reduzieren, um durch den systematischen Fokus auf (ausschliesslich) diese Fixpunkte, die Erfolgsquote und die Geschwindigkeit der Künstlerentwicklung zu erhöhen?"

Stichprobengruppe:

*Gage variiert je nach Ort der Leistungserbringung und Dealkonstruktion (Las Vegas zahlt höhere Gagen als Berlin, weil die Ticketpreise und pro Kopf Umsätze durch VIP und Tableservice so hohe Differenzen aufweisen. Mindestverzehr Las Vegas 10-50k/Tisch, Berlin 500/Tisch)

Dealkonstruktionen

  • Fixgage (all inkl. aka "Landed Deal")

  • Variable Gage (+Travel, +Hotel, +Spesen/Bookingfee, aka "+++")

  • Gage+ x% ab break-even (Fixgage zzgl. einem % der erwirtschafteten Profite, aka "Jackson Deal")

Gemeinsamkeiten der Stichprobengruppe und daraus ableitbare Implikationen:

1. Releasevelocity

Ein klares Muster ist die hohe Geschwindigkeit, in der musikalischer Content veröffentlicht wird. In den meisten Musikgenres sind die Veröffentlichungszyklen von Alben und Singles deutlich größer und die Geschwindigkeit viel langsamer.

Analysiert man die Releasedates von Avicii auf beatport.com (dem größten online Handel für elektronische Musik), und vergleicht sie mit den Releasedates von Tiesto und den Releasdates von David Guetta, fällt auf, dass es eine Korrelation zwischen der Gagenhöhe und der Veröffentlichungsdichte und Geschwindigkeit gibt.

Avicii und Tiesto veröffentlichen im Schnitt 1 Track (Solo oder Collab) pro Woche (!)

2. Distribution

Alle drei Künstler haben ihre eignen Labels, veröffentlich aber auch bei bis zu 50 weiteren Labels (u.a auch Major Labels wie Universal Music Group)

3. Management/Booking

Abgesehen von Tiesto, der bei Coran Capshaws Firma Red Light Management unter Vertrag ist (in Koop mit Andrew Goldstone), scheinen die Management Teams von Avicii und David Guetta, mit ihren Künstlern "mitgewachsen" zu sein.

Avicii ist bei At Night Management (unter Arash Andreas "Ash" Pournouri, vorher Restaurant Besitzer und Club Promoter). David Guetta wird von Caroline Prothero gemanaged.

Die Teams hinter den Künstlern bestätigen den deutlich wichtigeren Einfluss der Musik im Gegensatz zur Strategie. In allen Fällen war die Musik, vor den Fähigkeiten des Managements, auffallend. 

3. Tour routing/Geographie

Legt man die Tourpläne der Künstler übereinander, fällt eine deckungsgleiche Konzentration in wenigen ausgewählten Märkten auf.

  • Las Vegas (USA)

  • Miami (USA)

  • Ibiza (Spanien)

Diese drei weltweit bekannten Clubbing Hotspots offerieren in ihren Superclubs (Ushuaia Ibiza, XS Las Vegas, Story Miami) die höchsten Gagen in Verbindung mit langfristigen Exklusivverträgen (Residencies).

4. Musikalischer Stil 

Alle drei Künstler haben einen sehr klar herausgearbeitetes, musikalisches Profil. Erst diese Qualität und kreative Einzigartigkeit macht sie (wie in jedem Business) so speziell, ihre USP's (unique selling proposition) so stabil und ihre Nachfrage (und damit den Preis) so hoch.

Ghost Producer

Obwohl es (vor allem im EDM Segment) bekannt ist, dass Künstler mit der ständigen Hilfe von Songwritern und Sound Engineers arbeiten, fallen in Verbindung mit den kommerziellsten Hits der Szene, immer wieder die gleichen Namen auf.

Einer davon ist Maarten Vorwerk. Der holländische "Ghost" soll hinter Songs wie WAKANDA von Dimitri Vegas & Like Mike oder TSUNAMI von DVBBS & Borgeous stecken, die beide von Josh Herman bei STRVCTVRE gemanaged werden.

Jeder kann Songs kaufen

Weil EDM auf Künstler- und Produzentenseite so lukrativ ist, werden Tracks mittlerweile auf Masse produziert und zum direkten Kauf angeboten.

Letzte Gedanken

Die Kunst macht den Unterschied! Auch wenn es ganz deutliche Muster in den Strategien der Top-Earner gibt, ist qualitativ hochwertige, "hittige" Musik durch nichts zu ersetzen.

Die überproportionierten und immer wachsenden Preise auf Seiten aller Player im Markt, prophezeien m.E eine "Bubble". Wir werden uns in 10 Jahren an Zeiten zurückerinnern, in denen der "Gold Rush" der EDM Branche, die typischen Karrieremuster eines Musikacts komplett verändert hat.

Wir leben grade im "Wilden Westen" der elektronischen Musik. Go build something big! 

In der Hoffnung ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben, wünsche ich dir nur das Beste und bedanke mich für dein Interesse!

All the best, stay inspired, Matthew :)